Die großen Fortschrittsleistungen des 20. Jahrhunderts sind bedroht: die Demokratie und der Sozialstaat. Die seit fast drei Jahrzehnten andauernde Massenarbeitslosigkeit hat die Fundamente sozialer Sicherheit unterspült. Zukunftsängste breiten sich aus. Unter der Herrschaft des Neoliberalismus wurde die Gesellschaft einem engstirnigen betriebswirtschaftlichen Effizienzdenken und damit den Verwertungsinteressen des Kapitals unterworfen. Sozialdemokratische Mehrheiten in Europa waren nicht mehr als eine kurze Episode. Die Politik des »Dritten Weges« und der »neuen Mitte« scheiterte, weil sie ökonomische Entwicklungen und Interessen zu unabänderlichen Sachzwängen erklärte und damit vor der Aufgabe des Abbaus der Massenarbeitslosigkeit kapitulierte. Die politische Rechte hat Europa zurückerobert — in zahlreichen Ländern im Bündnis mit rechtspopulistischen / rechtsextremen Parteien.

Konservative und reaktionäre Kräfte haben ihren Einfluss auf Politik, Medien und Wissenschaft in einem Ausmaß verstärkt, das die soziale und kulturelle Freiheit einengt. Enorme Finanzmittel werden in die ideologischen Denkfabriken des Neoliberalismus investiert. Wissenschaft wird durch privatkapitalistische Finanzierung geködert und korrumpiert. In den staatlichen Institutionen und internationalen Organisationen herrscht ein reaktionäres Einheitsdenken, das den Umbau der gesellschaftlichen und internationalen Ordnung im Interesse der Machteliten vorantreibt und legitimiert.

Kapitalismuskritische Analysen von Wirtschaft und Gesellschaft werden ausgegrenzt. Sie drohen aus den gesellschaftlichen Institutionen und der Öffentlichkeit zu verschwinden. Denn gegenwärtig scheidet eine ganze Generation als Träger kritischer Theorie (verkürzt: 68er) aus dem Berufsleben aus. Die Stellen z.B. an den Hochschulen werden entweder gestrichen oder gemäß dem herrschenden »Zeitgeist« neu besetzt. Gerade in einer Zeit, in der sich der Protest gegen die negativen Folgen kapitalistischer Globalisierung neu formiert, soll der "Siegeszug des Marktes" vollendet werden.

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